«King of Silvretta» – SüdOst-Gratüberschreitung mit Pitschen, Piz Linard, Lavin, SUI

Der Piz Linard ist einer der markantesten Berge (Grosse Pyramide) in den Rätischen Alpen und ist 3’411 m.ü.M hoch. Damit ist er der höchste Berg der Silvretta-Gruppe. Er überragt die Ortschaft Lavin im Unterengadin um ca. 2000 m und gilt dadurch als deren Wahrzeichen.

Zahlen & Fakten

Datum: 07. – 08. August 2014
Ort: SUI -> GR -> Engadin ->  Lavin -> Piz Linard
Route
Tag 1 «Zustieg»:  Lavin – Plan dal Bügl – SAC Hütte Glims
Länge Tour Tag 1: 2.5h, ↑1000m ↓0m → 3Km
Tag 2 «Aufstieg & Abstieg»: SAC Hütte Glims – Sassauta – Linard Pitschen – Piz Linard SE – Piz Linard SW – SAC Hütte Glims – Plan dal Bügl – Lavin
Länge SE-Grat inkl. Pitschen: 5h ↑1000m → 2Km
Länge Tour Tag 2: 10h , ↑1000m ↓2000m → 5Km
Besonderes: Mit Mountainbike von Lavin bis Plan dal Bügl entlang der Forststrasse, Abfahrt auf Singletrails (Lohnenswert!)
Level: ZS-  (UIAA-Skala)
Übernachtung: SAC Hütte Glims (25CHF)
Teilnehmende: Dude, Karo

Info

Der Piz Linard ist einer der markantesten Berge (Grosse Pyramide) in den Rätischen Alpen und ist 3’411 m.ü.M hoch. Damit ist er der höchste Berg der Silvretta-Gruppe. Er überragt die Ortschaft Lavin im Unterengadin um ca. 2000 m und gilt dadurch als deren Wahrzeichen.

Log

Am Donnerstag Abend fuhr ich zusammen mit Karo direkt nach der Arbeit (Beide TrailCrew Davos) mit dem Auto nach Lavin, dank Karo’s Tourenerfahrung in diesem Gebiet inklusive unseren Bikes. Diese sattelten wir um 19:00h vom Parkplatz in Lavin aus entlang der mässig steigenden Forststrasse für die ersten 600hm bis nach Plan dal Bügl. Hier konnten wir unsere Bikes an einen Baum binden, machten eine kurze Ess-Pause und liefen im Dämmerlicht des Abends die letzten 400hm zur SAC Glims Hütte welche wir knapp vor 22.00h erreichten. Noch ein Bierli vor dem Schlafengehen war angebracht, danach haben wir unser Bett bezogen und verbrachten beide eine sehr angenehme, ruhige (und schnarchfreie) Nacht im Massenschlag mit ca. 6 anderen Personen. Morgens um 06:00h war tagwacht, wir stärkten uns bei einem luxuriösen Hüttenzmorge (der frische Zopf war eindeutig purer Luxus auf einer SAC-Hütte!) und liefen um 07:00h bei Tageslicht in Richtung Sassauta. Ein junges Pärchen welches wir beim Frühstück getroffen haben und die Normalroute auf den Linard (SE-Couloir) nehmen wollten suchten wir vergeblich. 

Am Freitag Morgen fuhren wir von Bern via Lötschberg ins Wallis auf die Simplon Passhöhe. Dank fehlendem Fahrverbot konnten wir die ersten 300hm von Egga mit dem Auto (gute Forst-/Bergstrasse) bis kurz vor die Rossbodestafel fahren (Parkplatz vorhanden). Von dort aus hat man einen ersten Blick auf den Gletscherabbruch des Rossbodengletschers und dahinter auf die Fletschhorn Nordwand. Wir stiegen vom Parkplatz in 3 1/2h auf zum Biwak da Zen (3014m), eine kleine Biwakschachtel auf einer Gratschulter über dem Rossbodengletscher die für max. 9 Personen Platz bietet (da wird’s richtig eng!). Glücklicherweise waren wir alleine da und hatten somit die exklusivste Biwak-Lodge im ganzen Wallis für uns. Dank vorhandenem Kochgeschirr und improvisierter Küche war unser Abendessen im Nu zubereitet und wir konnten den tosenden Gletschergeräuschen lauschen sowie dem Steinschlag in der Fletschhorn Nordwand zusehen – wahres Home Cinema!

Die Nacht war ruhig, um 03:30 klingelte der Wecker und ein lieblicher Kaffeduft stieg in meine Nase (thx Rönee!). Wir verliessen um 04:30 das Biwak bei klarer Nacht und stiegen im Kegel der Stirnlampen angeseilt über den Rossbodengletscher an den Zustieg der Nordwand. Die Gletscherspalten waren alle zugefroren und gut sichtbar. Der Zustieg in die Wand über den Gletscherschrund erfolgte unproblematisch via Schneebrücke links der Falllinie des Felsriegels. Weiter ging’s nun seilfrei über die zunächst noch mäßig steile aber harte Flanke hinauf bis auf Höhe der Felsinsel (etwa 3.450 m). Die Traverse für die letzten 20 Meter auf die Felsinsel mussten wir unerwarteterweise in blankem Eis in den steilen Falllinien der Lawinen/Schneerinnen machen (ca. 1m tief). Auf der Felsinsel machten wir eine Kurze Snackpause und genossen den atemberaubenden Sonnenaufgang. Weiter stiegen wir etwas rechts haltend über die Insel und dann geradewegs hinauf die hier nun bis 55° geneigte Eiswand hoch. Im oberen Teil hatten wir guten Trittfirn welcher ein Aufstieg in Ueli-Steck-Manier ermöglichte (nur machte sich die höhe bei diesen Ansätzen in mehreren Verschnaufpausen klar bemerkbar ;). die Bewertung mit S+ im Alpinführer Walliser Alpen dürfte noch aus Vanis’ Zeiten stammen und wird mit heutiger Technik wohl nicht mehr erreicht. Nach ca. 2 1/2h in der Wand stiegen wir am oberen rechten Rand durch die hier nur schwach ausgeprägte Gipfelwechte aus der Wand. Von dort waren es noch etwa 200 Höhenmeter zum Gipfel des Fletschhorns (3982m), den wir um ca. 9.00 Uhr erreichten. Umgeben von der gewaltigen Szenerie aus Walliser und Berner Vier- und Dreitausendern sieht man bis nach Saas Fee, Bettmeralp etc. Die Nordwand wäre im Frühling auch mit den Ski oder Snowboard befahrbar.

Der kürzeste Abstiegsroute zu Fuss zurück zum Biwak da Zen führt über den Breitloibgrat. Wir stiegen dazu in den Sattel neben P. 3.919 und zwischen den Schneewechten hindurch in die recht steile Flanke, die zum eigentlichen Grat führt, der erst auf ca. 3700m beginnt und sichtbar wird (im Sattel befindet sich auch auf Saaser Seite eine Abseilstelle für den oberen Teil der Flanke, die direkt unterhalb des Sattels auch von einem Bergschrund durchzogen ist). Der Breitloibgrat ist nur schwach ausgeprägt und besteht ausschließlich aus losem Geröll, Schiferplatten und Blöcken (max. II und das selten). Auf ca. 3300m erreichten wir den Sattel von dem aus man über eine Gletscherrampe wieder zurück zum Gletscherplateau unterhalb der Nordwand und über die Zustiegsspur zurück zum Biwak gelangt. Für den Abstieg benötigten wir ca. 2 1/2h.

Fazit: Eine Spannende 2 Tages-Tour (gemäss Gipfelbuch im Biwak auch in einem Tag möglich resp. in einer Nacht und einem Tag…). Dank den super Schneeverhältnissen im oberen Teil der Wand und dem guten aber doch wolkenbehangenen (..mysteriösen) Wetter hatten wir ein TOP-Wkend für den Durchstieg erwischt. Gerne würde ich diese Wand im nächsten Frühling nochmals durchsteigen und mit den Ski oder dem Snowboard runter shredden…

Pics

Rating

* * * * * * * * * * (7/10)

Da es sich bei der Fletschhorn Nordwand um meine erste Steilwand handelte, war ich von den erhaltenen Eindrücken überwältigt. Man bedenke dass wir uns Sicherheits- resp. Zeitgründen (Steinschlag) für eine Solo-Besteigung entschieden, bei welcher keine Sicherungsseile zum Einsatz kamen. Somit war ich mental extrem gefordert, hatte jedoch während der ganzen Route keinen Moment an dem ich mich unsicher gefühlt hatte. Die perfekten Bedingungen (guter Trittschnee, fast keine blanken Eis-Stellen) halfen zudem das Projekt so erfolgreich abzuschliessen. Die Wand ist zudem im Frühjahr fahrbar. Ich überlege mir daher, ein anderes mal zurück zu kehren und die Wand anschliessend mit den Ski oder Snowboard herunter zu fahren.

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